Erobere den Trail - Wie ich meine Angst überwinden kann
Typisch Frau
Frauen fahren anders als Männer, haben im Sattel andere Ängste, Sorgen und Hemmschwellen. Oft ist es der Mann oder Freund der uns aufs Bike bringt, und wir machen mit ihm die ersten Touren-Erlebnisse. Wir strengen uns an, geben uns Mühe, doch das gute Gefühl hält meist bis zur ersten Abfahrt. Der Kopf fragt: Da runter? Mit so vielen Steinen und auf so einem schmalen Pfad? Der Mann fordert: „einfach laufen lassen“. Ruckzuck ist es vorbei mit dem Spaß und die Tour wird zum Desaster. Angst beim Biken, vor allem bergab, ist ein Dauerthema bei den Mädels in meinen Fahrtechnikcamps. Das weiß ich, weil Frauen die Angst nicht verheimlichen. Versteht man dieses Gefühl und macht sich klar, was da so im Körper abläuft, dann können wir damit auch besser umgehen. Wie kommt es, dass die eine mutig über jeden Northshore-Drop rübersegelt und die andere schon bei der kleinsten Wurzel blockiert? Das Gefühl von Angst kennt jede Bikerin. Wir könnten es auch einfach Blackout oder Blockade nennen. Plötzlich läuft nichts mehr so, wie es vom Können, von der Technik und vom Material her eigentlich gehen könnte. Wir hören auch motivierende Zurufe gar nicht mehr. Nur unsere innere Stimme ist da, die uns sagt, was jetzt passieren könnte, wenn wir da stürzen.

Karen Eller hilft einer Teilnehmerin beim Contessa Riding Day in Sölden
Woher kommt die Angst beim Biken?
Wenn wir etwas wahrnehmen, was uns unbekannt ist oder bedrohlich erscheint, dann reagiert unser Körper mit ganz bestimmten Reaktionen und Abläufen. Wer was als bedrohlich empfindet ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren wie der sportlichen Grundlagenbildung in der Kindheit, Kondition, bisherigen Erfahrungen und davon ab, wie lange jemand einen Sport bereits betreibt.
Wie fühlt sich die Angst an?
Typische Empfindungen bei Angst sind zum Beispiel schweißnasse Hände, Herzklopfen und eine gewisse Gereiztheit. Wir würden am liebsten absteigen, umdrehen, aufhören. Oft kommen dann noch Selbstvorwürfe und Zweifel dazu. Unser Atemrhythmus wird schneller und flacher. Das führt unter anderem dazu, dass Muskulatur und Gehirn weniger Sauerstoff bekommen und wir dann – in der Tat – eingeschränkt leistungsfähig sind. Unter Angst verändert sich zusätzlich unsere Muskelspannung. Wir ziehen die Schultern nach oben, spannen Bauch- und Beinmuskulatur an. Das führt zu einer veränderten Körperhaltung auf dem Bike, die sich auf die Fahrtechnik auswirkt. Ein verspannter Muskel kann schlechter koordinieren und reagieren. Eine weitere Reaktion betrifft unsere Sinne: Unser Blickfeld verändert sich: wir starren dann wie gebannt auf die Stelle, die uns Angst macht. Wir hören nicht mehr, was andere uns als Tipps und Hinweise zurufen.
Haben Frauen mehr Angst beim Biken oder stehen sie einfach ehrlich zu diesem Gefühl?
Viele Männer machen sich ganz einfach weniger Sorgen und Gedanken. Zudem scheint es mir oft, dass Männer ein stabileres Selbstvertrauen in ihre körperlichen Fähigkeiten haben. Sie trauen sich mehr zu und sind mutiger, weil sie wissen, wie viel sie ihrem Körper und ihrer Kraft zutrauen können. Frauen möchten mehr in ihre Fahrtechnik vertrauen können als in ihre „Muckis“. Es gibt aber auch mutige, entschlossene und „angriffslustige“ Frauen, die der Abfahrt entgegenfiebern und unter hohen Anforderungen erst richtig über sich hinauswachsen. Oft finden sich darunter viele erfolgreiche Wettkämpferinnen. Andere reagieren unter unbekannten oder als in der Vergangenheit als bedrohlich abgespeicherte Herausforderungen schneller mit Stress, Angst und Blockaden. Und das sollte man so an sich auch akzeptieren.

SCOTT Athlet Floriane Pugin beim IXS Cup in Leogang
Wie überwinde ich die Angst?
Grundsätzlich ist es gut, sich einmal bewusst zu machen, was Angst ist und wie sich sich anfühlt, denn fast alle Bikerinnen kennen dieses Gefühl. Angst oder erlebte Sturztraumen können überwunden werden. Mit Geduld und viel Training solltest du deine Fahrtechnik optimieren. Hast du Vertrauen in deine Fahrtechnik, dann traust du dir auch mehr zu. Akzeptiere dabei deine eigene Bedächtigkeit und Vorsicht und taste dich behutsam immer wieder an die eigenen Grenzen heran. Nicht aufgeben, grundsätzlich nach vorne schauen, und vor allem nichts machen, nur weil alle anderen das machen.
Tipps zur Angstbewältigung:
- Über den Atemrhythmus entspannen; tief ein- und ausatmen und konzentrieren. Ein ruhiger Atem hilft zur Entspannung um dann locker die Passage zu meistern.
- Die Muskeln bewusst an- und entspannen. Damit lockerst du dich.
- Über die Sinne entspannen hilft vor allem bei einer Blockade. Einmal weit nach vorne schauen, dann wieder nah vors Bike. Im Wechsel.
- Schaffst du es, durch das Stadium der Angst hindurchzugehen, bist du wieder locker und frei für die nächste schwierige Passage.
- Berücksichtige deine Tagesform und den Trainingszustand. Oft spielen auch private Probleme oder Stress in der Arbeit eine Rolle. Dinge, die dich ungewollt gedanklich besetzen.
- Mach‘ dir bewusst, dass du den Sport für dich machst und für niemand sonst, und vor allem, weil es dir Spaß macht. Wenn du dich daran erinnerst, wirst du mit der Zeit lockerer und zufriedener und dadurch leistungsfähiger.

Die Contessa Team Fahrerinnen in Karwendel
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Karen Eller
Episode 1: How to choose the right bike
Episode 2: Right Preparation for the season
Episode 3: How do I set up my bike correctly?
Episode 4: What equipment do I really need?
Episode 5: Skills come with practice
Episode 6: Riding Techniques for Advanced Riders
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