Erobere den Trail - Die Bike-Reparatur ist nicht nur Männersache
„Schnell aufs Bike und noch ne Runde drehen – da brauch ich doch kein Werkzeug mitschleppen“. Das ist die eine Philosophie, die zum Desaster werden kann. Die zweite lautet: „Ich bin bestens ausgerüstet für alle Fälle, habe aber noch nie selbst eine gerissene Kette repariert.“ Meistens passiert es genau dann: man steht hilflos im Trail mit einem Platten. Entweder kommt zufällig der Glücksritter vorbei oder aber man schiebt sein Bike nach Hause.
Platten, Kettenriss, Schaltung verstellt, Bremse verschlissen. Wer auf Tour geht, trifft früher oder später auf diese Hindernisse. Hier sind die Selfmade-Tipps damit du keine fremde Hilfe mehr brauchst und dein Bike stets in Schuss bleibt.
Das muss mit auf jede Tour

1. Multifunktionswerkzeug (Minitool): Es sollte auch wirklich alle wichtigen Inbus-Schlüssel dran haben!
2. Kettennieter und Ersatznieten. Hilfreich kann auch ein Kettenverschlussglied (z.B. von Sram) sein.
3. Ersatzschlauch: wiegt nicht viel und erspart lästiges Flicken.
4. Reifenheber
5. Minipumpe
6. Ersatz Bremsbeläge
Tipp:
Grundregel für Reparaturen: Bike niemals auf den Kopf (Sattel und Lenker) stellen. Man legt das Bike auf die Antriebs abgewandte Seite auf den Boden oder ein Partner hält das Bike fest.
Plattfuß reparieren
Ein Platten ist der häufigste Defekt beim Biken. Mit dem richtigen Werkzeug, einem Ersatzschlauch und ein wenig Übung ist der Schlauch schnell gewechselt.
1. Laufrad entfernen
Zuerst schraubst du den Schnellspanner etwas auf. Dann ziehst du das Laufrad gerade mit der Scheibe aus dem Ausfallende und den Bremsbacken. Achtung: Beim hinteren Laufrad schaltest du vorher auf das kleinste Ritzel, damit es nachher genau auf diesem Ritzel wieder leicht einzusetzen ist. Wenn du dabei das Schaltwerk nach hinten ziehst, gibt es die Kette und das Laufrad frei. Ein Handschuh schützt vor Kettenschmiere.

2. Reifen von der Felge nehmen
Drücke den platten Reifen seitlich in das Felgenbett zusammen (Vertiefung in der Felgenmitte). Der Reifen lässt sich so leichter an einer Seite über die Felge heben. Du kannst auch die Reifenheber zur Hilfe nehmen. Reifenheber zwischen Mantel und Felge schieben, anheben. Den zweiten Reifenheber in diese Öffnung schieben damit den Reifen ringsum komplett von der Felge ziehen. Eine Seite ist nun befreit, während die andere Seite des Reifens noch auf der Felge sitzt. Dann die Mutter vom Ventil schrauben und den defekten Schlauch herausziehen.

3. Neuen Schlauch einsetzen
Pumpe den Ersatzschlauch leicht auf, damit er sich faltenfrei einsetzen lässt. Bevor der neue Schlauch eingelegt wird, untersuchst du die Innenseite des Reifenmantels mit den bloßen Fingern auf Steine, Dornen oder andere Fremdkörper. Auf sauberem Untergrund (nicht gerade im Sand oder Schotter) steckst du zuerst das Ventil des neuen Schlauchs durch die Felge, danach legst du den ganzen Schlauch ohne Falten oder Verdrehen in den Reifen. Auch Tubeless-Reifen können Pannen haben, wenn auch seltener. Auch hier wird dann ein Ersatzschlauch eingelegt. Das Tubeless-Ventil nach dem Abschrauben aber unbedingt aufheben!
4. Reifen auf die Felge heben
Mit beiden Händen hebst du den Reifen wieder auf die Felge. Unten angefangen machst du das rundum bis zum letzten Viertel, dann fixierst du das Laufrad mit einem Fuß und ziehst das letzte Viertel des Reifens über die Felge in das Felgenbett. Falls du Reifenheber verwendest, weil der Reifen sich nur schwer aufziehen lässt, musst du darauf achten, dass der neue Schlauch beim Draufhebeln nicht eingeklemmt und beschädigt wird. Bevor du den Schlauch aufpumpst, prüfe ob der Reifen gleichmäßig auf der Felge sitzt und der Schlauch nirgends eingeklemmt ist. Pumpe den Schlauch wieder ausreichend auf. Dann die Pumpe vorsichtig und gerade vom Ventil abziehen, damit es sich nicht verbiegt oder sogar abreißt.

Kettenriß
Bei einem Kettenriss kommt man nur weiter, wenn das Minitool einen Kettenieter hat. Hilfreich sind Ersatznieten, damit die Kette nicht kürzer als vorher wird oder aber ein Kettenschloss, das anstatt des kaputten Glieds eingesetzt wird. Einmal gemacht, ist auch das kein Hexenwerk mehr.
1. Kettenniet aufstecken
Du nimmst die beiden Enden der kaputten Kette und ziehst sie wieder zusammen. Dann steckst du einen Ersatzkettenniet (gleiche Marke wie deine Kette - Sram oder Shimano) durch die Öffnung der beiden zusammengeschobenen Kettenglieder.

2. Kettennieter ansetzen
Du legst die Kette an den zusammengesteckten Enden auf den Kettennieter. Dann drehst du die Schraube am Nieter mit einem Inbus zu. Beim Eindrehen spürst du an manchen Stellen kleinere Widerstände. Trotzdem drehst du die Schraube weiter, bis die kleine Einkerbung in der Mitte des neuen Niets nicht mehr zu sehen ist. Nun sitzt der Niet richtig in der Kette.

3. Niet abbrechen
Der Niet ragt jetzt zur Hälfte aus der Kette (Shimano System). Den überstehenden Teil brichst du nun mit dem Nieter oder einer Zange ab. Danach solltest du die Kette seitlich hin- und herbewegen, damit die Gelenke wieder geschmeidig werden und die Kette nicht springt.

Alternativ kannst du auch ein Kettenschloss (von Sram z.B.) an der gerissenen Kette einsetzen.
1. Nimm ein Bindeglied ab, damit an beiden Enden zwei weibliche Bindeglieder sind.
2. Bringe das Kettenschloss an.

3. Führe das neue Bindeglied zusammen.
4. Blockiere das Hinterrad, indem du die Bremse gedrückt hältst und belaste die Pedale, um das Kettenschloss korrekt zu positionieren.

Die verschlissene Kette solltest du dann schleunigst auswechseln!
Schaltung einstellen
Wenn die Kette rasselt und die Gänge nicht mehr astrein flutschen, nervt das gehörig. Dabei lässt sich das Problem unterwegs leicht beheben, sofern die Grundeinstellung passt. Dazu muss man nur die Spannung des Schaltzugs erhöhen oder nachlassen, das geht auf dem Trail sogar ohne Werkzeug und ohne abzusteigen. Lokalisiere erst, ob das Geräusch von vorne (Umwerfer) oder hinten (Schaltwerk) kommt.
1. Umwerfer fein justieren
Am linken Schalthebel sitzt eine Schraube, dort wo die Schalthülle ins Gehäuse führt. Drehst du diese heraus, erhöhst du die Spannung auf das Schaltseil. Drehst du diese Richtung Gehäuse rein, lässt die Spannung nach. Wenn du von oben auf den Umwerfer-Käfig schaust, und die Kette am äußeren Rand streift, musst du die Spannung erhöhen. Schleift die Kette an der inneren, dem Rahmen zugewandten Seite, lässt die Spannung nach.
2. Schaltwerk fein justieren
Wenn die Kette auf den Ritzelpaket (Kassette) hinten rasselt, gibt es zwei Möglichkeiten zur Justierung. Die Feinjustierung machst du mit dem Rädchen am rechten Schalthebel (siehe Text Umwerfer). Wenn die Kette nicht sauber auf das nächst größere Ritzel springt, musst du die Spannung erhöhen. Wenn sie beim Schalten nicht gleich auf das kleinere Ritzel wandert, braucht der Schaltzug etwas mehr Luft, du musst Spannung reduzieren. Wenn der Verstellbereich am Schalthebel nicht ausreicht, findest du am Schaltwerk hinten eine weitere Schraube mit der gleichen Funktion. Diese macht über eine Umdrehung aber weitaus mehr Weg als die am Hebel, hier reicht also meist eine viertel oder halbe Umdrehung aus.

Wenn allerdings die Grundeinstellung bei deiner Schaltung nicht passt (neues Bike, neue Teile montiert) empfehlen wir dir fachkundige Hilfe.
Bremsbeläge wechseln
Löse mit einem kleinen Inbusschlüssel die Belagsicherung und nimm die Beläge aus dem Bremssattel. Bei manchen Bremsen muss man statt der Schraube einen Sicherungssplint entfernen. Neue Beläge einsetzen, Sicherung erneut installieren. Achtung: Beläge dürfen nicht mit Öl oder Fett in Kontakt kommen.

Viel Spass auf den Trails!

Karen Eller
Episode 1: How to choose the right bike
Episode 2: Right Preparation for the season
Episode 3: How do I set up my bike correctly?
Episode 4: What equipment do I really need?
Episode 5: Skills come with practice
Episode 6: Riding Techniques for Advanced Riders
Episode 7: How do I lose my Fear?
Episode 8: The Right Nutrition - Fit for the Trails!
