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Im Leben gibt es für jeden Menschen wichtige Orte: Orte, die einen Eindruck hinterlassen, die sich in unser Gedächtnis einbrennen, Orte, die dem, was du bist, erst das Leben einhauchen. Diese Orte können überall sein, von den entlegensten Ecken der Welt bis zum Hinterhof deiner Wohnung. Diese Geschichte erzählt vom Hinterhof.



Fürs Protokoll: Ich habe die Trails nicht konstruiert, von denen im Folgenden die Rede sein wird, aber ich ziehe meinen Hut vor denen, die es getan haben: DR, JD, PF, JN und der Trails Moto Club.

“Hier geht’s um echtes Mountainbiken…Ich lebe an der Basis von Diamondhead und wollte immer nur hier fahren.”

- Dustin Adams



ES IST GANZ EINFACH.

Mountainbiken in Squamish ist ganz einfach, nicht die Trails an sich, sondern alles rund ums eigentliche Biken ist verdammt einfach.

Was die Navigation betrifft, ist es ziemlich einfach, alles ist um die drei Hauptstraßen herum konstruiert, einfach geradeaus runter, laufenlassen und schon findest du dich mit deinem Fahrzeug unten wieder.

Auch in Hinblick auf den Verkehr ist es einfach, von der Innenstadt bis zum Trail dauert es nie länger als zehn Minuten. Selbst wenn freitags abends um 18:00 Uhr an einem langen Wochenende der ganze Pazifische Nordwesten unterwegs nach Whistler ist. 


Die Trails sind so frequentiert, dass du kein Werkzeug und keinen Ersatzschlauch dabei haben musst: Spätestens alle 20 Minuten kommt jemand vorbei, der dir helfen kann.

Noch besser: Du besorgst dir den Ersatzschlauch einfach aus dem Fahrradgeschäft gleich am Fuße des Hügels oder gönnst dir einen leckeren Döner vom Farm to Table Food Truck 300 Meter vom Geschäft entfernt.

Die Runden können so schnell sein, dass sie kaum länger dauern als eine Mittagspause: Wenn du richtig Gas gibst, schaffst du es in 45 Minuten von Tür zu Tür. Solltest du Notfallhilfe benötigen, antworten Squamish SAR und die Squamish Ambulance binnen Minuten, und du hast immer Netzempfang, um sie zu rufen.


Ich werde es als erster zugeben: Ich liebe diese Einfachheit, zumindest die meiste Zeit über.

Manchmal will man einfach mehr: mehr Herausforderung, mehr Variablen, mehr Risiko … mehr Abenteuer. Diese zusätzlichen Faktoren zu überwinden macht den Abstieg jedes Mal noch süßer.

Es treibt einen dazu an, die wirklich großen Strecken zu suchen, solche, die wichtig sind. Der Einsatz ist bei solchen Rennen höher, das Risiko wird größer und du bringst nur diejenigen Freunde mit, denen du wirklich vertraust. Und genau darum geht es: ein hohes Ziel zu erreichen, zusammen mit deinen besten Freunden. Gleich die Straße runter gibt es ein wirkliches Abenteuer: Disney Land … Wir Glücklichen.


Dies ist ein Epos, in jedem möglichen Sinne des Wortes. Es beginnt in unserem Hinterhof, in 1676 Metern Höhe und abwärts in Richtung Ozean. Wenn man dort lebt, ist man den Trails rund um Disneyland ausgesetzt. Urkomische Geschichten aus den alten Tagen, als Mountainbiker ihre ersten Versuche unternommen hatten. Irrsinnige Abhänge herunterrasend, mit Gabeln von 4 mm Federweg und diesen alten Hayes-Scheibenbremsen, Halbschalenhelmen und aus Hockeytaschen hergestellten Protektoren. Gelegentlich werden diese Geschichten mit einem kurzen Film oder alten Fotos aus den damals aktuellen Magazinen untermalt. Ich war von diesen Geschichten und Bildern schon lange fasziniert, ehe ich hierhin gezogen bin. Für mich bereichern sie diese Gegend um eine gewisse Mystik.


“Die beste Strecke in Squamish ist eigentlich nicht in Squamish”

-Kevin

Meine erste Begegnung mit diesem Ort war auf dem Beifahrersitz des RT-44 Helikopters, der meinem Freund Stu gehört. Wir flogen über einen kürzlich gerodeten Bereich auf der Suche nach einem Ort, wo wir ein paar Freeride-Wege bauen könnten (ihr habt richtig gelesen, Freeride-Wege; der Flug ist über acht Jahre her). Unser Bereich lag ganz unten und kratzte kaum an der Oberfläche dessen, was der Bergrücken für uns bereithielt. Nachdem wir auf den benachbarten Moto-Trails einige Nachforschungen betrieben hatten, begannen wir damit, einige großartige Strecken auf atemberaubendem Terrain zu planen.

Bald darauf begann einer der begabtesten Trail-Konstrukteure aus Squamish mit der Arbeit an ein paar fürs Mountainbiken geeigneten Strecken. Nach einem ersten Treffen und einer ersten Ausfahrt auf seiner ersten eigenen Kreation, G-String, war ich süchtig. Der erste für Mountainbikes geplante Trail war einfach die beste Strecke in meiner Nähe. Auch dieser Trail kratzte kaum an der Oberfläche und nutzte nicht einmal ein Drittel der verfügbaren Steigung aus. 


Der Konstrukteur war engagiert: bald gab es eine Verbindung nach oben, Tramp Stamp. Dann einen Weg, der in eine Gegend führt, die man umgangssprachlich Pretty Slabs nennt. Andere Konstrukteure haben ebenfalls Mountainbike-Trails in den niederen Erhebungen gebaut. Bald gab es Probleme mit dem Management, der Bereich wurde geschlossen und war nur noch dank Pedalkraft zugänglich. Nun, entweder mit Pedal- oder Rotorkraft.

Sommer 2015: Wir hatten zwei Ladungen Fahrräder an der Schlinge und 12 Freunde aus aller Welt bei uns und waren bereit, auf die Spitze zu fliegen. Für uns alle war es das erste Mal, dass wir uns mit dem Helikopter auf den Gipfel begeben hatten, in Vorahnung der Tatsache, dass die Baumstämme so stark waren, dass sie vom Rotor durchtrennt werden konnten.

Als wir auf dem Berg landeten und auf den Ozean hinunterblickten, sahen wir eine dünne geschlängelte Linie von Trail, die sich den Hang hinunterzog und wir wussten, dass wir eine gute Zeit haben würden. Wir begannen mit hohen Erwartungen, den Berg hinunter auf die Bäume zu, weiter über unglaublich steile unbefestigte Wege, und noch steilere Wege.

Diese steilen Abhänge hinunterzurasen hatte eher etwas von alpinem Skifahren auf dem Mountainbike. Das Wort „ununterbrochen“ hat jetzt eine völlig neue Bedeutung: Steigung um Steigung um Steigung, mehr als einmal mussten wir innehalten, um die wahren Wunder menschlicher Muskelleistung vollführen zu können, die ein Moto-Trail einem auf diesen Abschnitten abverlangt. Nach einigen Stunden erreichten wir die Kabine, welche den Beginn der für Mountainbikes geeigneten Trails markiert. Wir mussten noch drei weitere Trails mit 975 Metern Abstieg durchstehen, ehe wir den Ozean erreichten. 



Der Trials Moto Club konstruiert hier seit 30 Jahren Trails und hat ein weites Netzwerk an Strecken durch moosigen Granit und unberührte Wälder geschaffen. Sie sind die Betreuer an diesem Bergrücken und wir sind ihre Gäste. Ihr Netzwerk ist zu weitläufig, um an einem Tag erkundet zu werden, selbst mit Motor, und erstreckt sich über weit mehr Terrain, als ich bisher erlebt habe. Der Fotograf und Abenteurer erster Güte, Margus Riga, und ich haben ein paar Nächte in der Kabine verbracht und unser Bestes getan, um dieses Netzwerk zu erkunden. Die Kabine ist kaum groß genug für uns beide, doch bot sie uns Schutz vor dem Regen und verfügte über einen Holzofen, mit dem wir unsere Klamotten trocknen konnten. 



Frühjahr 2016: Dustin Adams und ich machten uns am Fuße des Berges bereit. Für ihn war es das erste Mal, und er wusste nicht, was ihn erwarten würde. Nach einem Aufstieg über mörderische 975 Meter nahmen wir uns Tramp Stamp vor. Die Kurven waren göttlich, der Steinschlag einschüchternd und ein kürzlich niedergegangener Regen machte freiliegende Baumwurzeln noch gefährlicher. Nach einem Bier am Fuß des Berges fragte sich Dustin, warum man irgendwo anders als hier fahren sollte. Seither sind wir in Squamish nie wieder zusammen gefahren. Immer mussten wir unsere Pläne umlegen, ehe wir Gelegenheit hatten, hier zu fahren. 


Man kann die ganze Welt nach den besten Trails absuchen, aber manchmal sind sie gerade in der Nähe des eigenen Hinterhofs. Diese Geschichte handelt von unserem Hinterhof, aber ich garantiere dir, auch in deinem Hinterhof gibt es diesen Platz. Du musst ihn nur finden. Aber zum Glück ist die Suche ein Abenteuer.


Standbildfotografie: Margus Riga
Produziert von: Kevin Landry
Kinematographie: Cameron Sylvester, Max Berkowitz, Jordie Lepage, Patrick Henry
UAV: Patrick Henry / Jordie Lepage – TOPO Films
Postproduktion: Leigh Powis
Kolorist: Leigh Powis
Einzelgänger: Darren Taylor / Black Tusk Heli